Home

„Im übrigen fängt Kritik nicht damit an, daß sie an sich die kri­­tische Frage stellt, ob sie weiter­geht, praktisch und konstruktiv ist. Sie beginnt damit, daß man sich Rechen­schaft ablegt darüber, woher all das kommt, was man als Belästi­gung und Schaden wahr­­nimmt. Wer auf das bißchen Ursachen­forschung ver­zichtet, vertut sich wo­möglich im Engage­ment, sucht sich Ort, Zeit und Adressat wie Gegner seiner Be­mühungen ver­kehrt aus. Dann ver­geht seine Ju­gend, und er war in Gorleben zelten, hat seine Zeit im Frauen­buch­laden ver­plempert und Grüne ge­wählt, während die Klassen­gesell­schaft funktio­niert, daß es kracht.“
Die Klassen (II), MSZ – Gegen die Kosten der Freiheit

Die destruktive kritik Münster lädt an jedem ersten Dienstag im Monat um 19:00 Uhr dazu ein, aktuelle poli­tische Entwick­­lungen zu disku­­tieren. Ort der Debatte, falls nicht im Ver­anstaltungs­hinweis anders an­gegeben, ist die Wolbecker Str. 14, in der Nähe des Haupt­­bahnhofs.

Di., 2. Juli 2019, 19:00 Uhr

Wer verdient warum wieviel?

Warum die Frage nach Einkommensgerechtigkeit verkehrt ist!

Wer Antworten haben will auf Fragen wie …

  • Ist es ein Skandal, dass mancher Konzern­manager zwischen 100- und 200-mal mehr verdient als die tarif­lich bezahlten Fach­arbeiter, die er kommandiert? Oder geht das in Ordnung, weil vom Geschick der Betriebs­führer schließlich Job und Existenz von Zehn- oder gar Hundert­tausenden abhängen?
  • Ist es gerecht­fertigt, dass ein Zahnarzt ein x-faches mehr verdient als seine Angestellten, weil er ja schließ­lich jahre­lang studiert hat und außer­dem das finanzielle Risiko trägt? Oder ist das nicht zu recht­fertigen, weil das bisschen Hand­werk von den Zahnarzt­helferinnen genauso gut zu erledigen wäre?
  • Ist es gerecht, dass manche Immobilien­besitzer pur mit ihrem Grund­stück stattlich Geld verdienen, während manche Bauern, die ihren Grund und Boden beackern, immer gerade so oder noch nicht einmal über die Runden kommen? Oder ist es ungerecht, dass die Land­wirte Jahr für Jahr milliarden­schwere Beihilfen aus Steuer­geldern abgreifen?

… der wird sich auf unserer Veran­staltung schlecht bedient finden. Wir können nämlich die Debatten über die (Un-)Gerechtigkeit von Ein­kommen und ihren Unter­schieden nicht ausstehen.

Denn die Rechts- oder Unrechts­urteile, die da gefällt werden, sind erstens praktisch belanglos. Zweitens sind sie theore­tisch beliebig: Gegen jede Beschwerde über Un­gerechtig­keiten beim Ein­kommen gibt es garantiert eine passende Ver­teidigung, die genauso logisch oder unlogisch ist. Und drittens wird bei solchen Debatten die einzige Frage nie gestellt, die wirklich fällig wäre: Warum passen Beruf und Ein­kommen für so viele Leute so schlecht zu den Notwendig­keiten und Frei­heiten, die das Einkommen, erworben durch Einsatz von Lebens­zeit und -kraft, doch bezahlen muss und soll?

Können wir eine Alter­native bieten? Ja!

Erstens die ab­schließende Kritik des Vor­urteils, letztlich müsse doch irgendwie zu haben und zu finden sein, was keine praktische Erfahrung jemals bestätigt oder belegt hat: eine echte, logisch und moralisch nach­voll­ziehbare Ent­sprechung von indivi­dueller Tätig­keit und Bezahlung.

Und zweitens ein paar Hinweise darauf, für welche Dienste woran die Figuren in der Markt­wirt­schaft – vom Mini­löhner bis zum Manager – ihre Kohle tat­sächlich kriegen.