Home

„Im übrigen fängt Kritik nicht damit an, daß sie an sich die kri­­tische Frage stellt, ob sie weiter­geht, praktisch und konstruktiv ist. Sie beginnt damit, daß man sich Rechen­schaft ablegt darüber, woher all das kommt, was man als Belästi­gung und Schaden wahr­­nimmt. Wer auf das bißchen Ursachen­forschung ver­zichtet, vertut sich wo­möglich im Engage­ment, sucht sich Ort, Zeit und Adressat wie Gegner seiner Be­mühungen ver­kehrt aus. Dann ver­geht seine Ju­gend, und er war in Gorleben zelten, hat seine Zeit im Frauen­buch­laden ver­plempert und Grüne ge­wählt, während die Klassen­gesell­schaft funktio­niert, daß es kracht.“
Die Klassen (II), MSZ – Gegen die Kosten der Freiheit

Die destruktive kritik Münster lädt dienstags (im Zwei­wochen­rhythmus) um 18:30 Uhr dazu ein, aktuelle poli­tische Entwick­­lungen zu disku­­tieren. Ort der Debatte, falls nicht im Ver­anstaltungs­hinweis anders an­gegeben, ist die Wolbecker Str. 14, in der Nähe des Haupt­­bahnhofs.

Di., 22. Januar 2019, 18:30 Uhr

Protest der „Gilets Jaunes“ in Frankreich

Wenn sich die deutschen Presse vor allem für die Frage interessiert, ob Macron mit Dialog und Härte das Nötige tut, „um den Unmut zu besänftigen“ (ARD), dann halten wir das für ebenso verkehrt wie Versuche von links, den Protest als lobens­wertes Vorbild dafür zu vereinnahmen, dass die Armen hier­zulande doch „gegen eine Regierung der Reichen … auf die Straße gehen“ sollten (S. Wagenknecht).

Angesichts der Berichte aus Frankreich drängen sich uns eher Fragen wie die folgenden auf:

Was will dieser Protest?

Was bewegt diese wütenden Franzosen, von denen einige niedri­gere Steuern wollen, andere mehr Mindest­lohn, wieder andere sich über Bahn­schließungen ärgern; die mehr oder weniger auf Macron sauer sind, sich groß­teils allen Verhand­lungen mit der politischen Elite strikt ver­weigern und von denen sich manche über­legen, ob sie vielleicht als eigen­ständige Fraktion an den Europa­wahlen teilnehmen sollten …?

Worauf zielen Macrons Gegenmaßnahmen?

Was hat er vor, wenn er Verständ­nis für die „Ungeduld“ vieler Mit­bürger äußert und die „Chance“ sieht, mit ihnen eine „große natio­nale Debatte“ zu führen („So möchte ich den Ärger mit Ihnen in Lösungen umwandeln.“) – natürlich nicht mit den verant­wortungs­losen „Gewalt­tätern“ unter ihnen. Und: Was hat es mit Macrons Reform­politik der „tiefgreifenden Veränderungen“ in Frank­reich auf sich, die er durch den Protest in keiner Weise gestört sehen will?

Als Lesetipp dazu: „Emmanuel Macron. Schon wieder einer, der sein Land ganz groß machen will“ aus Heft 2-2018 der Zeitschrift GegenStandpunkt.