Veranstaltungen

Die destruktive kritik ver­anstaltet regel­mäßig Vor­träge und Dis­kussionen zu aktuellen poli­tischen Ent­wick­lungen sowie grund­legenden Fragen zu Staat und Kapital. Hierbei wird geklärt, wie und warum Staat und Kapital eine Welt schaffen, die der Mehr­heit der Leute alles andere als bekommt.

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Dienstag, 30. Juni 2026, 19:00 Uhr
Jugendgästehaus Aasee, Bismarckallee 31, 48151 Münster

Pistorius klärt die Jugend auf:

Der Preis der Freiheit – Kriegsdienst am Vaterland

Die Bundesregierung macht das Land kriegstüchtig. Dafür gibt sie Milliarden für die Aufrüstung aus und plant die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Darauf wollen sich viele Schülerinnen und Schüler nicht verpflichten lassen und gehen auf die Straße.

Großartig – findet das ausgerechnet der Verteidigungsminister. Er hat mit­bekommen, dass sich die Jugend statt Militärdienst und Kriegseinsatz eine andere Zukunft vorstellt. Deshalb wirbt er für die Wehrpflicht – mit drei verkehrten Gedankenschritten: 1. Wenn die jungen Leute protestieren und demonstrie­ren, dann nehmen sie die Freiheit dazu wahr. 2. Diese Freiheit gibt’s nur, weil der deutsche Staat sie gewährt und schützt. 3. Wenn der deutsche Staat also in einem kriegsträchtigen Gegensatz v.a. zur russischen Staatsmacht steht, dann verdient er, dass seine Jugend seinen Schutz als ihr Anliegen hochhält, gegenüber dem alles als unwichtig verblasst, was ihr ansonsten wichtig ist. Ziemlich frech, der nette Herr Pistorius: Die Kritiker sollen zu ihrer Kritik die unvernünftige Stellung einnehmen, die Erlaubnis, sie zu äußern, als hohen Wert wichtiger zu nehmen als den Inhalt, um den es geht. Im Ernst – sie sollen dem Wehrdienst zustimmen, weil sie dagegen demonstrie­ren dürfen.

Dabei ist allen klar: Pistorius und Kollegen machen von dieser zustimmenden Einsicht in ihre Belehrung überhaupt nichts abhängig – sie reden ja gerade über die Wiedereinführung der Wehrpflicht; die entsprechen­den Optionen dafür diskutieren sie untereinander, während sie netterweise die Kritik erlauben und an sich abtropfen lassen. Und damit machen sie total klar, was die wirkliche Reihenfolge von Kriegsbedarf des Staates und den schönen Werten ist, mit denen sie werben: Was der Staat über das Volk beschließt, steht als Erstes fest – und als Zweites werden dann noch ein paar nicht weiter wichtige Interpretationen dessen erzählt, wozu dem Volk sowieso keine Alternative gelassen wird.

Schon darum ist es keine gute Idee, diese hohen Werte – „Freiheit“, „Frieden“ usw. – gegen den Staat hochzuhalten. Der sagt doch gerade an, wofür sie stehen, weil er es so beschließt: An „unserer Freiheit“ ist derzeit das Wichtigste, dass der Moskauer Bösewicht sie „uns“ wegnehmen will; und vom „Frieden in Europa“ soll man vor allem im Kopf behalten, dass es den nur als Leistung überlegener deutscher Militärgewalt gegen den „Kriegstreiber“ im Osten gibt. Das gilt umso mehr, wenn unter Trump ein Waffenstillstand droht, der an „uns“ vorbei verhandelt wird. Wegen der „europäischen Friedensordnung“ muss erstens das Gemetzel in der Ukraine unbedingt weitergehen und brauchen zweitens „wir“ die „größte konventionelle Armee Europas“.

Es wäre also besser, ernst zu nehmen, dass Pistorius & Co. mit diesen Werten aktuell exakt diesen Anspruch als unwidersprechlich präsentieren.

[Einen passenden Artikel zum Thema findet Ihr im GegenStandpunkt 4‑25.]