Gesundheit (13.06.2017)

Di., 13. Juni 2017, 18:30 Uhr
Hörsaal H2, Bäckergasse

Gesundheit

Ein Gut und sein Preis

Vortrag und Diskussion mit Dr. Sabine Predehl
Autorin des gleichnamigen Buches, erschienen im GegenStandpunkt-Verlag

Mit einer Kritik am Gesund­heits­wesen macht man sich leicht Freunde. Kaum eine gesell­schaft­liche Einrichtung wird so mit Kritik bedacht wie der Medizin­betrieb: dass es allzu vielen seiner Vertreter mehr ums Geld als um ‚ihre‘ Patienten geht, dass es ihnen an Können fehlt, dass Kassen­beiträge zu hoch sind und an Versorgungs­leistungen gespart wird … Und als Gipfel der Kritik wird gefordert: Gesund­heit darf keine Ware sein!

Kaum ein Metier genießt gleich­zeitig ein so hohes Ansehen wie das Medizin­wesen, das damit befasst ist, der Gesund­heit aufzuhelfen. Alle Einwände leben ja von der Hoch­achtung vor einer Heil­kunst, nach deren Diensten ein wachsender Bedarf besteht und der die Kund­schaft nie ausgeht.

Diese kritische Hochachtung vor Auftrag und Leistung des medizinischen Dienstes an der Gesund­heit, ist die Sache des Buches, das im Vortrag vorgestellt werden soll, nicht. Es klagt nicht ein Mehr und Besser an heilsamen Dienst­leistungen ein, sondern erklärt und kritisiert,

  • inwiefern der massen­hafte Bedarf nach Gesund­heit und seine Betreuung ein schlechtes Licht auf die Gesell­schaft und den Dienst werfen, den die Medizin mit ihrem Ethos des Heilens und Helfens leistet;
  • woher der nie zufrieden­zustellende Bedarf stammt, den das Gesund­heits­wesen betreut – dass und wie nämlich das System der Markt­wirtschaft die massen­haften Fälle von Krank­heiten produziert, die nicht zufällig „Volks­seuchen“ oder „Zivili­sations­krank­heiten“ heißen;
  • warum die individu­ellen Bemühungen, sich – soweit es Zeit, Geld und sonstige ‚private Umstände‘ zulassen – um seine Gesund­heit zu kümmern, so wenig tauglich sind, bzw. wozu sie taugen: Ihr einzig wirk­lich garantiertes Ergebnis besteht darin, sich an der privaten Bewältigung von lauter ‚gesellschaft­lichen Umständen‘ abzu­arbeiten, die systema­tisch krank machen;
  • wie verkehrt die Medizin mit ihrem praktischen Stand­punkt der individu­ellen Betreuung die gesell­schaft­lichen Ursachen in den Blick nimmt – als äußeren Anlass und Auslöser von Beschädi­gungen an Körper und Geist der Gesell­schafts­mitglieder, um deren Behand­lung am einzelnen Patienten sie sich dann nach bestem Gewissen und natur­wissen­schaft­lichen Wissen kümmert;
  • welchen gesell­schaft­lichen Auftrag die Ärzte­schaft mit ihren praktischen Hilfs­diensten an der Gesund­heit der Patienten und ihren Ratschlägen zu ‚vernünfti­gerer‘ Lebens­weise und besserem Umgang mit ‚gesundheits­schädlichen Gegeben­heiten‘ erfüllt, was also das staat­liche Gesund­heits­wesen leisten soll und leistet, wenn es allen Bürgern Zugang zu den Errungen­schaften der Medizin gewährt: einen unverzicht­baren Beitrag zum Funktio­nieren einer Konkurrenz­gesell­schaft, deren Folgen der Staat betreut und in der sich die Leute zu ihrem nicht nur gesund­heit­lichen Schaden bewähren und behaupten müssen und wollen.

Der Vortrag will dazu einige Argu­mente liefern und zur Diskussion stellen.