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„Im übrigen fängt Kritik nicht damit an, daß sie an sich die kri­­tische Frage stellt, ob sie weiter­geht, praktisch und konstruktiv ist. Sie beginnt damit, daß man sich Rechen­schaft ablegt darüber, woher all das kommt, was man als Belästi­gung und Schaden wahr­­nimmt. Wer auf das bißchen Ursachen­forschung ver­zichtet, vertut sich wo­möglich im Engage­ment, sucht sich Ort, Zeit und Adressat wie Gegner seiner Be­mühungen ver­kehrt aus. Dann ver­geht seine Ju­gend, und er war in Gorleben zelten, hat seine Zeit im Frauen­buch­laden ver­plempert und Grüne ge­wählt, während die Klassen­gesell­schaft funktio­niert, daß es kracht.“
Die Klassen (II), MSZ – Gegen die Kosten der Freiheit

Die destruktive kritik Münster lädt dienstags (im Zwei­wochen­rhythmus) um 18:30 Uhr dazu ein, aktuelle poli­tische Entwick­­lungen zu disku­­tieren. Ort der Debatte, falls nicht im Ver­anstaltungs­hinweis anders an­gegeben, ist die Wolbecker Str. 14, in der Nähe des Haupt­­bahnhofs.

Di., 19. März 2019, 18:30 Uhr
Worum es geht, wenn’s ums Weltklima geht:

Staatenkonkurrenz um Energie

Schüler und Studenten streiken weltweit jeden Freitag gegen den Klima­wandel. Sie werfen der Politik Inkon­sequenz, Untätig­keit, Heuchelei bei der Lösung des Menschheits­problems Nr. 1 vor; und den Erwachsenen über­haupt Ignoranz gegen­über den düsteren Aussichten für die nach­folgenden Genera­tionen.

Nur: Stimmen denn diese Einwände?

Wer ist eigent­lich dieses eigen­artig kollektive Subjekt Menschheit, von dem man immer nur hört, wenn es bedroht sein soll?

Dass Insel­gruppen absaufen, weil Pol­kappen abschmelzen: Macht das aus den Bewohnern der Fidschi­inseln und Reedern, die sich neue Seewege erschließen, wirklich gleicher­maßen Betroffene einer einzigen großen Gemein­schaft?

Und wenn es schon um die Bedrohung der Menschheits­zukunft gehen soll: Wer bedroht sie? Womit eigentlich und warum? Auch wieder „der Mensch“, „wir alle“ und „jeder und jede Einzelne“? Oder doch mehr „die Politik“ oder „die Erwachsenen“? Oder ist das alles ein und dasselbe?

Ist es nicht bemerkens­wert, dass die Höchst­werte Mensch­heit und Klima, in deren Namen ihr gegen die Politik antretet, deren eigene Werte sind?

Und gibt es nicht zu denken, dass die Politiker eurem Ruf nach Schutz von Mensch­heit und Klima regelmäßig Recht geben – um sich dann im Namen ihrer Verant­wortung für Mensch­heit und Klima genauso regelmäßig jede wirk­liche Einmischung in ihre Politik zu verbitten?

Was die politisch Zuständigen dann im Namen der allseits geteilten Sorge um das Welt­klima unter dem Titel Klima­politik betreiben, das ist ihre nationale Energie­politik, die gerade für die wichtigsten und mächtigsten unter ihnen immer eine Frage welt­weiter kapita­listischer Geschäfts­möglichkeiten und zugleich strate­gischer Sicherheit und Über­legenheit gegen­über anderen Nationen ist.

Von wegen also Untätigkeit!

Sie konkurrieren um den Zugriff auf alte und neue Energie­quellen, mischen sich dafür in die Energie­politik ihrer Konkurrenten ein und versuchen umgekehrt, jede Ein­mischung anderer Mächte in die eigene Energie­bewirtschaftung abzuwehren. Wenn dafür Weltklima nicht die absolut passende Über­schrift ist!

Darüber wollen wir diskutieren. Ein Thesenpapier zu diesem Thema findet Ihr hier.